Diese Seite verwendet Cookies u. ä. Technologien um individualisierten Service zu bieten und Statistiken zu erstellen. Bei Verwendung dieser Seite ohne Veränderung der Einstellungen des Webbrowsers werden die Cookies auf Ihrem Endgerät installiert. Bedenken Sie, dass Sie die Einstellungen Ihres Webbrowsers jederzeit ändern können.

Poleć artykuł!

Nie jestem botem

Wir leben in unübersichtlichen und durchaus komplexen Zeiten. In einem für beide Länder so wichtigen gemeinsamen Europa verbinden Polen und Österreich ein reiches kulturelles Leben, das sich aus einem spezifischen und teils ähnlichen historischen Bewußtsein und einem darauf aufbauenden traditionsorientierten Weltbild speist.

Wie funktionieren darin Kunst und Kultur? Was soll Zeitgeist sein? Und schließlich: Wie kann ein Auslandskulturinstitut diese Werte und Ansprüche im Sinne eines produktiven Austauschs und guter Nachbarschaft vermitteln? Darauf geben die Künstler_innen Tymek Borowski und Maruša Sagadin einige pointierte Antworten.

Kurator: Sandro Droschl
Kooperation: Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien (KM– Graz)

www.km-k.at


Tymek Borowski
, geboren 1984, lebt und arbeitet in Warschau. Borowski studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau und arbeitet als Maler, Filmautor und Infografiker. Zwischen 2008 und 2012 mitbegründete er mehrere Kunstkollektive und Galerien sowie das Onlineprojekt Billy Gallery und das Czosnek Studio für experimentelles Design. Er wurde ausgezeichnet mit dem VIEWS Duetsche Bank Foundation Audiendce Award (2013) und dem Polityka Passport Award (2016).

Zu seinen aktuellsten Ausstellungen zählen Love, Memory, Curiosity im Geologischen Museum Warschau; Collection #3: Part 2, Chamber Gallery, New York; Common Affairs, Deutsche Bank KunstHalle, Berlin; Warsaw Under Construction 7: Reconstruction Dispute, MoMA, Warschau; Progress and Hygiene, Zachęta National Gallery of Art, Warschau (in Zusammenarbeit mit Paweł Śliwiński); As You Can See. Polish Art Today, MoMA, Warschau.

Die Ausstellung im Österreichischen Kulturforum Warschau zeigt vier Arbeiten von Tymek Borowski: den Film How Culture Works? sowie die Bilder Midas, What is Contemporary? und How Art Works?.  Der Film beginnt mit den Worten: Die einen machen die Dinge richtig, die anderen falsch. Jene, die sie richtig machen, haben häufiger Sex und zahlen ihre Kredite schneller ab.“ Und hier stellt sich die Frage ob es eine allgemeine Regel dafür gibt, wie man Dinge richtig macht? Die Arbeiten des Künstlers sind eine Art praktischer Anleitung, die erklären, wie Kultur und Kunst zu gebrauchen“ sind, wie man sie besser verstehen kann – mit einem pragmatischen Ziel – um besser zu leben. Die im Film verwendeten einfachen Metaphern haben die Aufgabe den Mechanismus des Phänomens Kultur zu definieren und aufzuzeigen. Die hier gezeigten Arbeiten, deren Entstehen eine solide Forschung vorausging, kreisen um Themen, die den Autor besonders beschäftigen, wie der Sinn des Schaffens und das Integrieren der Gegenwartskunst in den Kontext anderer menschlicher Aktivitäten. Die aus den Arbeiten resultierenden Schlussfolgerungen sind aber universeller. Die Ästhetik dieser Arbeiten und die radikale Methode die beschriebenen Ereignisse zu vereinfachen sind Spiegelbild des uns umgebenden Trends alle Tätigkeiten und Prozesse zu rationalisieren, zu professionalisieren“ und zu optimieren. Borowski geht fließend von positivistischem Optimismus zu vernichtender Selbstironie über, wie im Bild How Art Works?, in dem er seine eigene Strategie, den Eindruck zu erwecken ein guter Künstler zu sein, bloß stellt. Die letzte Arbeit, Midas, zeigt einen aus dem Gedächtnis gemalten Mann, den der Künstler vorher in einem Bus gesehen hat. Man könnte sagen, dass er in dieser auf mehrere Kunstwerke verteilten Moralität eine besondere Rolle spielt – es handelt sich um das Porträt eines Menschen, der die allgemeinen Regeln, wie Dinge richtig zu machen seien, nie kennengelernt hat.


Maruša Sagadin
wurde 1978 in Ljubljana, Slowenien, geboren und arbeitet in Wien. Sie studierte Architektur an der TU Graz, bevor sie auf die Akademie der Bildenden Künste wechselte und Performancekunst sowie Bildhauerei studierte. Neben vielen Auszeichnungen absolvierte sie 2016 eine einjährige ISCP-Residenz in New York, außerdem wurde ihr 2009 und 2010 ein MAK Schindler House-Forschungsstipendium in Los Angeles gewährt.

In letzter Zeit waren ihre Werke in der Christine König Galerie in Wien, im SPACE in London, im Syndicate in Köln, in den österreichischen Kulturforen New York und London, in der Kunsthalle Wien, im Room of Requirement von Horse & Pony Fine Arts Berlin sowie im Museum zeitgenössischer Kunst Ljubljana zu sehen. Im Jahr 2016 erschien, unter Mitwirkung ihres langjährigen Projektkollegen Christian Hoffelner, Maruša Sagadins Monographie © MMXV (Verlag für Moderne Kunst) und ein Finalist der Schönsten Bücher Österreichs 2016 war.  

Die Künstlerin zeigt eine Serie von Objekten namens Tschumi Alumni, die auf architektonischen Formen basieren – etwa Fensteröffnungen, die aussehen, als seien sie von Fäusten in die Wand geschlagen, in diesem Kontext aber als Beine von Skulpturen fungieren. Über sie sind sechs fast identische rechteckige Formen gespannt. Die Grenze zwischen der Basis, die ein eigenes Objekt darstellt, und der Skulptur in Lebensgröße ist verschwommen und unklar, ihre Rollen einander angeglichen im Stil von Duchamp. Die geometrisch geformten Oberflächen sind glänzend poliert und sehen fast aus wie freihängende Bilder. Ihre Farbpalette erinnert an die Washington Color School, Österreichisches Lilien-Porzellan, politische“ Farben und Popkultur. Die Auswahl an einfachen Materialien wie Beton, Kitt und Sperrholz, wie man sie im Baumarkt findet, bekunden das Interesse der Künstlerin für alles, was täuschend und seltsam erscheint. Die Skulpturen stellen scheinbar eine Gruppe von Menschen dar und stehen als Metapher für eine Einzelperson oder marginalisierte Gruppe, die in das soziale Skelett einer Stadt und ihrer Infrastruktur verpflanzt ist. Einer Stadt, in der das Hauptaugenmerk auf Vergnügen, Konsum, Arbeit und einem Körperkult gelegt wird. 



Bildtitel: Tymek Borowski, How culture works? 2015, video, 13:09 min.

20.11.2017 - 19.01.2018 18.00 Österreichisches Kulturforum
ul. Próżna 7/9
00-107 Warszawa
Eintritt frei

Fotos