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Nie jestem botem

Eröffnung der Ausstellung:
In the Artist’s Head
Künstler_innen: Magdalena Chowaniec, Maciek Chorąży
Kurator: Romuald Demidenko
Zu sehen bis 25.05.2018

Heute Abend, im Angesicht der weltweiten Krise, kehrt mein Geist zu einer Nacht der inneren Krise vor acht Jahren zurück. Ich erinnere mich genau daran, dass mir, als ich in der Garderobe des Tanzhauses saß und mich auf ein Gespräch mit den Leuten der Kulturabteilung vorbereitete, die Bilder aller Künstler vor Augen standen, mit denen ich gesprochen hatte.

Basierend auf Franklin Delano Roosevelt "The Arsenal of Democracy", 1940




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Ich bin immer gerne aufgetreten.
Schon in meinen ersten Rollen im Kindergarten fühlte ich mich in meinem Element. In der Grundschule nahm meine Karriere dann an Fahrt auf. Meine Eltern meldeten mich für alle möglichen außerschulischen Aktivitäten an: Ballettschule, Schulchor, Pfadfinder, Wettbewerbe und Olympiaden. Ihnen lag daran, dass ich auftrat, am liebsten in der ersten Reihe. Ich war ein Engelchen, eine Diva, die die Z
uschauer mit ihrer Performance in eine andere Dimension der Wirklichkeit versetzte.

Ich war auch die Lieblingssängerin des Pfarrers.
Während einer Feier anlässlich des Unabhängigkeitstages, die in der Kirche stattfand, drückte ich beim Singen der Solopartien von Żeby Polska była Polską“ [Damit Polen Polen sein wird] dermaßen auf die martyrologische Tränendrüse, dass die alten Mütterchen ganz feuchte Augen bekamen. Ein anderes Mal kriegte ich während des Erntefestes das heulende Elend, als ich mich in den erhabenen Song Powrócisz tu“ [Du wirst hierher zurückkommen] hineinsteigerte. Der Pfarrer gratulierte mir nach dem Auftritt persönlich. Er streichelte mir übers Haar, nannte mich unseren Star“ und gab mir einen Anhänger mit einem kleinen Fisch.

Als vielseitig begabte Künstlerin verhalf ich jeder Familienfeierlichkeit mit meinen Auftritten zu Glanz. Egal ob Ostern oder Weihnachten, Kommunion, Besuch der Tante im Krankenhaus oder gemeinschaftliches Pilzesammeln. Für meine Eltern gab es keinen unpassenden Moment, um meine Talente zu präsentieren. Ich hatte für jede Gelegenheit das passende Repertoire. Man könnte sagen, ich war eine gefragte Performerin. Erst mit der Zeit merkte ich wie erschöpft ich war von diesem Überbuchtsein.
— Text: Tomek Pawłowski (Ausschnitt)



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Magdalena Chowaniec (geb. 1983) ist Tanzkünstlerin, Performerin und Choreografin, die mit Texten, Objekten und Cosplay arbeitet. Häufig hebt sie in ihren Arbeiten die Trennung zwischen Schauspieler und Publikum auf, indem sie die Zuschauer in die Performance mit einbezieht und diese in Räumen initiiert, die nicht für die visuellen oder performativen Künste bestimmt sind. Sie nutzt den Körper und die Stimme auf vielfältige Weise, knüpft an diverse (außer)künstlerische Traditionen an – das Musical, die Rede, das Konzert, den Protest, das Monodrama oder das Schauspiel – und verbindet Performance mit Aktivismus. Ihre beiden letzten Produktionen Attan bleibt bei uns“ und Songs of the water / Tales of the sea“, die in Zusammenarbeit mit jugendlichen Flüchtlingen, u. a. aus Afghanistan, entstanden, wurden 2014 und 2015 auf dem ImPulsTanz Festival in Wien gezeigt. Viele ihrer Projekte realisiert sie zusammen mit anderen Künstlern, u. a. mit Elisabeth Ward (Anti Fascist Ballet School), Valerie Oberleithner (iChoreography), Superamas, Oleg Soulimenko, Cooperativa Performativa, Mark Tompkins, Georg Blaschke, Agata Maszkiewicz, Mathieu Grenier, Jérôme Bel, Amanda Piña, Marysia Zimpel, Michael Laub, Florentina Holzinger und Alex Baczynski-Jenkins. Von 2008 bis 2014 war sie die Bandleaderin der Post-Punk-Band The Mob Fixing Freedom“, seit 2015 rappt sie im Duo Mermaid & Seafruit“. Ihre Performance What’s in the artist’s head“ präsentierte sie 2016 im Rahmen des ImPulsTanz Festivals im Leopold Museum in Wien. Für den Text ihres Monodramas benutzte sie historische Präsidentenreden, Motivationsrhetorik sowie Stimmen von Vertretern ausgegrenzter und bis vor kurzem nicht wahrgenommener Randgruppen.

Magdalena Chowaniec besuchte das Ballettgymnasium in Bytom und studierte Tanz an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. 2010 wurde sie im Jahrbuch der Fachzeitschrift ballettanz“ mit dem Titel Remarkable Emerging Choreographer“ ausgezeichnet. Sie ist Stipendiatin des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (2009) und des Programms danceWEB (2007). Im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals und des diverCITYLABs in Wien unterrichtet sie Tanz und somatische Praktiken. In Zusammenarbeit mit dem Institut für künstlerische Forschung in Graz wird sie 2019 ihre Forschungen zum Thema Empathische Abhängigkeiten zwischen Körper und Musik“ fortsetzen.



Maciek Chorąży (geb. 1982) ist der Autor von grafischen Projekten, Skulpturen, Rauminstallationen und bühnenbildnerischen Arbeiten. In seinem Schaffen nutzt er häufig außerkünstlerische Medien, Fotos aus dem Internet sowie andere Fundstücke, z. B. Gelegenheitskäufe von geringer Qualität. Sein Interesse am Performativen zeigt sich im Initiieren und Beobachten von Situationen und Ereignissen, die häufig Zufallscharakter haben. Seine Zeichnungen, Collagen, Diagramme, Fotografien und Fotomontagen illustrieren u. a. Dorota Masłowskas Buch Jak przejąć kontrolę nad światem, nie wychodząc z domu“ [Wie man die Kontrolle über die Welt übernimmt, ohne aus dem Haus zu gehen“] (2017). Chorążys Arbeiten waren in Einzelausstellungen – im BWA Zielona Góra, im Bunkier Sztuki in Krakau – und Sammelausstellungen – im Museum für Gegenwartskunst (MOCAK) in Krakau, in der Galeria Kordegarda in Warschau, im Czartoryski-Museum in Krakau und in der Cricoteka – zu sehen. Er bildet zusammen mit Aga Klepacka das Duo Bracia“, das Kostüme entwirft, u. a. für die Capella Cracoviensis und das Narodowy Teatr Stary in Krakau. Die Rauminstallationen und Objekte des Duos waren u. a. im Zentrum für Zeitgenössische Kunst Zamek Ujazdowski in Warschau, im Museum für Moderne Kunst in Warschau und im Khoi in New Delhi zu sehen.






PC Maciek Chorąży, Ohne Titel (Pool), 2017. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und des Literaturverlags.





 

17.04 - 25.05.2018 18:00 - 22:00 Österreichisches Kulturforum
ul. Próżna 7/9
Warszawa
Eintritt frei