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Nie jestem botem

„Das unmögliche Exil: Stefan Zweig am Ende der Welt“ 
Gespräch mit Prof. Dr. hab. Katarzyna Kuczyńska-Koschany auf Polnisch über die Biographie Stefan Zweigs von George Prochnik
Moderatorin: Dr. Aleksandra Markiewicz
Im Rahmen des PARDES Festivals – Begegnungen mit Jüdischer Kultur

Um 1930 war Stefan Zweig zum weltweit meistübersetzten lebenden Schriftsteller avanciert. Doch dieser Erfolg des 1881 geborenen Wieners wurde schon bald überschattet vom Machtantritt Hitlers. Der Kosmopolit verließ den alten Kontinent und ließ sich 1941 in dem von ihm als "Land der Zukunft" gepriesenen Brasilien nieder. "Endlich ein Ruhepunkt", hoffte er nach seiner Ankunft in der tropischen Stadt Petrópolis. Ein halbes Jahr später, am 23. Februar 1942, schieden er und seine junge Frau Lotte "aus freiem Willen und mit klaren Sinnen“ aus dem Leben.

Am Tag, da er seinen Pass verlor, im Alter von 58 Jahren, habe er entdeckt, bekannte Stefan Zweig, "dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde". Ausgerechnet diesem in Wien geborenen Weltbürger entglitt im Exil zunehmend das Leben. Höchst einfühlsam erzählt George Prochnik, selbst Nachfahre von Wiener Emigranten, diese tragische Geschichte eines Aufbruchs in die neue Welt, der von England über die USA nach Brasilien führt. Zugleich macht er sichtbar, welche Abgründe die geistige Welt des alten Europa, die Zweig in seinen nachgelassenen Erinnerungen so grandios heraufbeschworen hat, von der Nord- und Südamerikas trennten.

Stefan Zweig (1881–1942) zählt bis heute zu den weltweit meistgelesenen deutschsprachigen Autoren. Thomas Mann notierte 1952, zum zehnten Todestag des berühmten Schriftstellerkollegen: „Sein literarischer Ruhm reichte bis in den letzten Winkel der Erde.“ Viele ZeitgenossInnen reagierten auf Zweigs Weltruhm mit Anerkennung, aber ebenso mit heftiger Kritik.

Ein wichtiger Grundstein seines Erfolgs war sicher das weltumspannende Netzwerk an Verlagen, ÜbersetzerInnen und Intellektuellen, das dieser global agierende Schriftsteller aufbaute und pflegte. Nicht nur war Zweigs Produktivität enorm, er war auch ein geschickter Agent des eigenen Werkes, wie die Materialien aus seinem Nachlass bezeugen.

Woher aber rührt die Strahlkraft der Texte Zweigs, die die vielen Übersetzungen, Bearbeitungen und Verfilmungen von Europa bis China belegen? Mit seinem psychologischen Einfühlungsvermögen und seiner Fähigkeit, spannende Geschichten zu erzählen und darin auch historische Figuren wieder lebendig werden zu lassen, hat Zweig Werke geschaffen, die zum Kanon der Weltliteratur gehören. Welche Aspekte seines Lebens oder Werkes haben in den verschiedenen Ländern und Zeiten besondere Aufmerksamkeit erhalten? Bereits der junge Autor verstand sich als Weltbürger. Mit großer Neugier unternahm Zweig unzählige Reisen in viele Weltgegenden. Ohne den Rhythmus des Reisens ist sein Schreiben nicht vorstellbar. Diese Faszination für das Fremde, auch für die unerforschten Gebiete in uns selbst, überträgt sich auf viele LeserInnen.

Die Figuren und Schauplätze von Zweigs Erzählliteratur führen einmal rund um den Globus. Die „historischen Miniaturen“ der Sternstunden der Menschheit sind in verschiedenen Epochen und Regionen der Welt angesiedelt. In Magellan. Der Mann und seine Tat (1938) nimmt der Autor seine LeserInnen mit auf die entbehrungsreiche Fahrt des portugiesischen Seefahrers. Die Novelle Der Amokläufer (1922) spielt in der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien (heute Indonesien).

Nach einer kurzen patriotischen Phase zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Stefan Zweig zum überzeugten Pazifisten, der sich in verschiedenen Projekten für den Weltfrieden einsetzte. Bis heute gilt Zweig als Vertreter eines übernationalen Humanitätsideals und Vordenker eines vereinten Europas. Seine Botschaft für die Nachwelt ist die Utopie einer friedlichen Welt ohne Grenzen.

Prof. Katarzyna Kuczyńska-Koschany – Literaturprofessorin, Polonistin, Komparatistin, Essayistin, Autorin von Lyrikwerke sowie von lyrischer und autobiographischer Prosa (Trzy historie i jedno mieszkanie wurde im K.K. Baczyński-Literaturwettbewerb 2006 ausgezeichnet). Ihr Interessensfeld umfasst lyrische Werke und deren Interpretation, Rezeption der Lyrik des deutsch- und französischsprachigen Raums in Polen (Rilke, Rimbaud), Shoah, Synapsen der Poesie und der bildenden Künste, europäisches und polnischer literarisches Essay, polnische Kinderlyrik.

Zum Festival PARDES
„Pardes“ heißt „Garten“. Der Name des Festivals ist eine Metapher für die jahrhundertelange Präsenz der Juden in Europa. „Pardes“ bedeutet im Hebräischen Garten, Obstgarten, Paradies. In einer zweiten, aus der jüdischen Mystik abgeleiteten Bedeutung beschreibt es die vier Ebenen der Auslegung der Tora.


19.09.2026 (Sa.), 13:00 Uhr 
Gespräch im Rahmen des PARDES Festivals 
Leszczyńska Galeria Książki
Plac Metziga 25, Leszno
Auf Polnisch
Freier Eintritt
Das Programm des Festivals ist auf der Website: https://pardesfestival.pl/ abrufbar. 

 

 

19.09.2026 13:00 Leszczyńska Galeria Książki
Plac Metziga 25
Leszno
Eintritt frei / Auf Polnisch