



Franzobel. Lesung auf Deutsch mit Konsekutivübersetzung ins Polnische
„Hundert Wörter für Schnee“
Paul Zsolnay Verlag, 2025
Moderation: Prof. Krzysztof Tkaczyk (Warschauer Universität)
Foto von Franzobel: © Julia Haimburger
Nach „Das Floß der Medusa“ und „Die Eroberung Amerikas“ erzählt Franzobel in „Hundert Wörter für Schnee“ die abenteuerliche Geschichte der Eroberung des Nordpols.
Im Herbst 1897 bringt der US-amerikanische Entdecker und Abenteurer Robert Peary sechs Inughuit, so der Name der im Norden Grönlands lebenden Menschen, auf einem Dampfschiff nach New York. Untersucht sollen sie werden, vor allem aber ausgestellt und hergezeigt. Vier von ihnen sterben schnell an Tuberkulose, einer wird zurückgebracht – der neunjährige Minik aber bleibt. Seine Geschichte – Taufe, Schule, betrügerischer Pflegevater, Flucht – sorgt für Schlagzeilen. In Franzobels Roman gerät der Protagonist Minik zwischen die Fronten der zivilisierten amerikanischen Kultur und der angeblich primitiven Kultur eines Naturvolks Grönlands. Sein Schicksal ist ein Heldenlied auf den Überlebenskampf eines beinahe ausgestorbenen Volkes, das bewiesen hat, wie der Mensch selbst in der unwirtlichsten Gegend überleben kann. Anhand der Beschreibung des Verlags
Minik Wallace (ca. 1890 - 1918) – einer der sechs Grönland-Inughuiten, die im Jaht 1897 nach New York mit Robert Peary gekommen sind. Minik (damals ca. 7 J.a.) war der jüngste von ihnen. Er ist ca. 1890 in Grönland zur Welt gekommen. Robert Peary, der ihn und seine Landsleute nach Amerika mitgenommen hatte, war mit eigener Karriere so beschäftigt, dass er das Interesse an seinen Gästen sehr schnell verlor und diese im Naturkundemuseum untergebracht, wo sie in einem überhitzten Keller lebten und als anthropologische Sehenswürdigkeiten behandelt wurden. Vier von den sechs sind sehr schnell an Tuberkulose gestorben, einer ist nach Grönland zurückgekehrt und Minik ist - einsam und entfremdet - in der Riesenmetropole geblieben. Er wurde von William Wallace, einem Kurator des Museums adoptiert, aber konnte sich nicht in die unbekannte Kultur einfügen. Im Jahr 1909, als er ca. 19 J.a. war, ist er nach Grönland zurückgekehrt, wo er einige Jahre lang bemüht war, sich an die dortigen arktischen Lebensbedingungen anzupassen. Nach vielen langen Jahren der Trennung von der Heimat und den Landsleuten hat er seine Identität verloren. Er war nicht mehr imstande, sich in der Muttersprache zu verständigen, zu jagen oder zu fischen. 1916 ist er in die USA zurückgekehrt, wo er zwei Jahre später an der Spanischen Grippe gestorben ist. (aus Wikipedia)
Robert Peary war Berufssoldat – Leutnant in der Kriegsmarine. Bevor er sich entschied, den Nordpol zu erobern, hatte er mehrere Reisen nach Arktis unternommen, wo er die Sitten der Inughuits erforscht hatte. Er hat von ihnen viele praktische Fähigkeiten erlernt, die fürs Überleben unter Polarbedingungen unentbehrlich waren, wie Igloo-Aufbau oder das Lenken des Hundeschlittens. Auf seinen Reisen vertraute er ihren Jagdfähigkeiten. Er hat ein System der Polarreisen mit den vorher vorbereiteten Lagern mit Vorräten auf der Reisestrecke sowie mit den zusätzlichen Hilfemannschaften, die die Hauptmannschaft begleitet haben, entwickelt. (aus Wikipedia)
Franzobel wurde 1967 als Stefan Griebl in Vöcklabruck (Oberösterreich) geboren, jetzt lebt er in Wien. Er war Herausgeber der „edition ch“ und beteiligte sich seit 1991 an Mailart-Projekten, unter anderem in Russland, Amerika, Japan, Kuba, Frankreich und Deutschland. Neben Ausstellungen, Performances und Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und Jahrbüchern ist er als Autor der Prosa, der Lyrik und der Theaterstücke tätig. Er erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas-Born-Preis (2017). In Polen ist Franzobel vor allem für seine Theaterstücke bekannt. Mehrere von diesen in polnischer Übersetzung wurden in der vom ÖKF Warschau organisierten Werkstatt des Österreichischen Theaters oder als Szenische Lesungen präsentiert. Er ist Autor von mehreren Romanen: Wiener Wunder (2014), Groschens Grab (2015) und Rechtswalzer (2019). Sein Roman Das Floß der Medusa, stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und wurde mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet. 2021 erschien der Roman Die Eroberung Amerikas (Longlist für den Deutschen Buchpreis). Der präsentierte Roman „Hundert Wörter für Schnee“ erschien 2025.
30.03.2026 (Do.), 18:00 Uhr
Österreichisches Kulturforum Warschau
Ul. Próżna 7/9
00-107 Warszawa
Auf Deutsch mit Konsekutivübersetzung ins Polnische
Eintritt frei