Arbeitskreis österreichisches Theater: alte Meister
Morgenstern hat einen Alptraum
George Tabori, Die Ballade vom Wiener Schnitzel
Leitung: Anna Róża Burzyńska (Jagiellonen-Universität), Magdalena Daroch (Universität Warschau), Krzysztof Tkaczyk (Universität Warschau)
Lektüre: George Tabori, Ballada o sznyclu wiedeńskim, übers. von Raisa Sadowska
Veranstalter: Österreichisches Kulturforum Warschau
Partner: Agentur für Theater und Drama ADiT, www.teatralny.pl, Österreich Bibliothek in Warschau
Patronat: Institut für Germanistik Universität Warschau
Transformieren Sie mich. Verwandeln Sie mich in einen Bürger. So wie jeden anderen. Machen Sie mich unscheinbar. Glätten Sie mein gelocktes Haar, meine Nase machen Sie kurz und stumpf, meine Ohrläppchen reduzieren Sie auf protestantische Kurzform und begradigen Sie meinen Buckelrücken, damit ich wie ein unwiderstehlicher christlicher Kavalier, der Wien, Wien nur du allein pfeifend den Graben entlanggehe. – Morgenstern
Wenn Alfons Morgenstern, der für den Kronawitter Gastronomie-Guide arbeitet, dem Besitzer der „Hermanns Herberge“ – einem exklusiven Restaurant im Ersten Bezirk von Wien – mitteilt, dass sein Lokal den ersehnten Stern nicht erhalten wird, bricht jener in Wut aus. „Gebt ihm ein Schnitzel!“, schreit er, „Stopft es dem Saujud in den Schlund“. Zum Glück ist es nur ein Traum. Doch der Morgen bringt keine Erleichterung. Denn Morgenstern leidet unter Verfolgungswahn, er hat als Einziger seiner Familie den Holocaust überlebt und hat nun, obwohl wir das Jahr 1994 schreiben, jeden Tag Angst, aus seiner Wohnung gezerrt und in ein Lager deportiert zu werden. Um die „Böse Braune Zeit“ zu überstehen, versteckt er sich im Schrank, unterzieht sich in einer Tierklinik einer von Tieren geführten Therapie und bittet im Barbierladen des Teufels um eine vollständige Veränderung seines Aussehens. Alles umsonst. In einer Reihe grotesk-absurder Szenen zeigt George Tabori mit seiner ihm eigenen Eloquenz einen Menschen, der von den Gespenstern der Vergangenheit verfolgt wird, und regt erneut zum Nachdenken über Antisemitismus, die Mechanismen der Verdrängung der Vergangenheit und die Un/Möglichkeit der sogenannten Assimilation an.
14.04.2026 (Mi.), 19:00 Uhr
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