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Nie jestem botem

Ausstellung:
Scripts Of Self
Izabela Chamczyk, Karin Maria Pfeifer, Sula Zimmerberger

Wie bestimmt sich der Wert eines Menschen – und insbesondere der Wert einer Frau – in einer Gegenwart, die zwischen Selbstinszenierung, kultureller Prägung und gesellschaftlichen Zuschreibungen oszilliert? Die Ausstellung versammelt künstlerische Positionen, die diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und dabei Spannungsfelder zwischen Repression und Selbstermächtigung öffnen.

Die Arbeiten von Izabela Chamczyk, entstanden während ihrer Residenz im Iran 2015, führen in einen Kontext, in dem weibliche Existenz von Widersprüchen geprägt ist: öffentlich verhüllt und kontrolliert, im Privaten jedoch Raum für radikale Selbstinszenierung. Der Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ durchbricht diese Dualität – ein Akt des Widerstands, der mit existenziellen Risiken verbunden ist. Chamczyks Videoarbeiten machen diese Ambivalenz sichtbar: zwischen Unsichtbarkeit und Ausdruck, zwischen gesellschaftlicher Kontrolle und individueller Freiheit.

Sula Zimmerberger richtet den Blick auf ein anderes, nicht weniger wirkmächtiges Bild der Frau: das westlich geprägte Ideal makelloser Schönheit. Ausgangspunkt ist eine klassische Porzellanfigurine – alabasterhell, faltenlos, scheinbar zeitlos. Als Druck auf Stoff übertragen, gerät dieses Ideal jedoch in Bewegung: Falten durchziehen die Oberfläche, die Perfektion beginnt zu fließen, zu brechen. Der Vorhang wird zur Schwelle – er lädt dazu ein, den distanzierten Blick zu überwinden und das normierte Bild zu hinterfragen.

Auch Karin Maria Pfeifer verhandelt Fragen von Wert und Identität, jedoch über das Medium des Schmucks. Ihre Arbeiten verweisen auf Objekte, die weniger durch materiellen als durch ideellen Wert bestimmt sind – Erinnerungsstücke, die Zugehörigkeit, Herkunft und Kontinuität verkörpern. Gleichzeitig markieren sie in vielen kulturellen Kontexten eine existentielle Absicherung: von vererbbarer Wertanlage europäischer Gesellschaften bis zum am Körper getragener Überlebensreserve verstoßener indischer Frauen. Schmuck wird so zum Symbol für Bindung und Verlust, für das fortwährende Neuverhandeln von Wurzeln und Selbstverständnis.

Im Kontext des Jahresprogramms „I'm doing my thing!“ wird deutlich, wie sehr sich feministische Diskurse heute im Spannungsfeld von Emanzipation und Rückschritt bewegen. Zwischen digitalen Selbstbildern, popfeministischen Inszenierungen und wiederkehrenden konservativen Rollenmustern stellt sich auch in der Kunst die Frage, ob Selbstbestimmung tatsächlich eingelöst wird – oder ob sie Teil einer hyperrealen Bildproduktion bleibt, die bestehende Strukturen eher stabilisiert als in Frage stellt.

Die Ausstellung versteht Kunst als einen Raum, in dem diese Widersprüche sichtbar gemacht werden. Sie eröffnet Perspektiven auf Weiblichkeit als Prozess – geprägt von kulturellen Bedingungen, individuellen Entscheidungen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. In diesem Sinne ist „I’m doing my thing“ weniger ein Statement der Autonomie als eine offene Frage: Unter welchen Bedingungen kann Selbstbestimmung heute überhaupt gedacht werden?


12.-17.05.2026
Lotna Gallery
ul. Marszałkowska 45/49
Warschau
Eintritt frei 



12.05 - 17.05.2026 Lotna Gallery
ul. Marszałkowska 45/49
Warschau
Eintritt frei