WELT.AUTORIN.JELINEK
Sprache und Demokratie
Die Internationale Veranstaltungsreihe WELT.AUTORIN.JELINEK, die aus Anlass von Elfriede Jelineks 80. Geburtstag stattfindet und aus sieben „Jelinek-Tagen“ im globalen Raum besteht, befasst sich mit Elfriede Jelinek als „Weltautorin“, die die aktuellen globalen antidemokratischen Entwicklungen mit Fokus auf die Position von Frauen* analysiert und deren Analysen weltweit wahrgenommen werden.
Mit internationalen Wissenschaftler*innen, Übersetzer*innen und Künstler*innen wird aufgezeigt, wie Jelineks Werke weltweit Wirkungskraft haben, wie sie Frauen* global bestärken und wie die jeweilige politische Situation in Hinblick auf Frauen* mit jener der anderen am Schwerpunkt beteiligten Ländern vergleichbar ist.
Der „Jelinek-Tag“ in Warschau thematisiert das Verhältnis von Sprache und antidemokratischer Politik im Kontext autoritärer und nationalistisch aufgeladener Diskurse. Im Fokus steht, wie Jelineks Texte totalitäre Sprachmuster dekonstruieren, Mechanismen politischer Vereinnahmung offenlegen und hegemoniale Ordnungen kritisch hinterfragen. Es wird diskutiert, inwiefern ihre literarische Sprachpraxis das Potenzial hat, Sprache als Raum globaler kritischer Gegenöffentlichkeit und feministischer Selbstermächtigung neu zu positionieren.
Die Veranstaltung wird per Livestream übertragen. Link zum Livestream:
https://univienna.zoom.us/j/67141467695?pwd=YfJuM4OPjzqRWRveBF0r8dLLVnhbIV.1
Kenncode: jelinek
PROGRAMM
9.30 Uhr
Begrüßungen
Arnold Obermayr (Österreichisches Kulturforum Warschau)
Artur Pełka (Uniwersytet Łódzki, Polen)
Pia Janke (Interuniversitäres Forschungsnetzwerk Elfriede Jelinek, Österreich)
Keynote
Artur Pełka (Polen): Literatur und Demokratie oder warum Polen Elfriede Jelinek braucht
Gespräch: Elfriede Jelinek: Sprache. Gender. Demokratie in Polen und der Tschechischen Republik
Mit Zuzana Augustová (Tschechische Republik), Monika Szczepaniak (Polen, online), moderiert von Pia Janke (Österreich
Diskussion: Jelineks Sprachkraft – Globale Perspektiven
Mit Ruth Bohunovsky (Brasilien, online), Asako Fukuoka (Japan, Videostatement), Bärbel Lücke (Deutschland, online), moderiert von Steffi Hofer (Österreich)
15 Uhr
Labor: Demokratie versus Totalitarismus. Jelinek übersetzen
Impuls: Norbert Christian Wolf (Österreich, Videostatement)
Videos: Österreich-Bibliothek Opole (Polen), Österreich-Bibliothek Bukarest (Rumänien),
Österreich-Bibliothek Osijek (Kroatien), Österreich-Bibliothek Zadar (Kroatien),
Österreich-Bibliothek Erzurum (Türkei), Österreich-Bibliothek Szombathely (Ungarn)
Moderation: Christian Schenkermayr (Österreich)
18 Uhr
Lesung (PL/DE): Gegen-Texte. Dialoge mit Elfriede Jelinek
Lesung und Gespräch mit Sylwia Chutnik (Polen) und Raphaela Edelbauer (Österreich, online),
moderiert von Agnieszka Jezierska (Polen)
Am Gespräch nehmen zwei Autorinnen teil: Sylwia Chutnik, die die polnische Sichtweise präsentieren wird und sich seit Jahren in ihrer literarischen und didaktischen Arbeit auf das Werk von Jelinek bezieht (darunter Workshops im Kreativen Schreiben am KF Warschau), sowie die österreichische Schriftstellerin Raphaela Edelbauer, die 2021 mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet wurde und den Einfluss Jelineks auf ihren eigenen Schreibstil betont. Obwohl Edelbauer und Chutnik einer jüngeren Generationen als die Nobelpreisträgerin selbst angehören, verbindet ihre Werke doch ein hohes Sprachbewusstsein, eine kritische Herangehensweise an die sozialpolitische Wirklichkeit sowie die Sensibilität gegenüber Vereinfachungsmechanismen im Denken. Ihre Texte stellen einen wesentlichen Kommentar zu zeitgenössischen politischen und kulturellen Prozessen dar.
Raphaela Edelbauer, geboren in Wien, studierte Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst. Für ihr Werk »Entdecker. Eine Poetik« wurde sie mit dem Hauptpreis der Rauriser Literaturtage ausgezeichnet. Außerdem wurde ihr der Publikumspreis beim Bachmann-Wettbewerb, der Theodor-Körner-Preis und der Förderpreis der Doppelfeld-Stiftung zuerkannt. Ihr Debütroman »Das flüssige Land« stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, ihr dritter Roman »Die Inkommensurablen« auf der Longlist. Für ihren zweiten Roman »DAVE« erhielt sie den Österreichischen Buchpreis. Raphaela Edelbauer lebt in Wien. Wie sie gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ (19/2026) gesagt hat, 2045 werde sie den Nobelpreis erhalten.
Sylwia Chutnik ist Doktorin der Geisteswissenschaften, Schriftstellerin, Publizistin, Aktivistin und setzt sich für Lesekultur ein. Darüber hinaus ist sie Sängerin einer Punkband. Sie ist gelernte Kulturwissenschaftlerin und Absolventin der Gender Studies der Universität Warschau. Sie ist Mitglied des Verbands der Polnischen Literaten (PL: Związek Literatów Polskich, kurz: ZLP) sowie der Literarischen Union (PL: Unia Literacka) und war Kuratorin zahlreicher Festivals und Literaturinitiativen, wie beispielsweise des Internationalen Literaturfestivals Apostrof und des Literatur-Kaffeehauses des OFF Festivals. Sie war Dozentin am Institut für Polnische Kultur der Universität Warschau sowie in der Schreibschule „Schreibmaschine”. Ihre Feuilletons erscheinen in der Wochenzeitschrift „Polityka”, in der Beilage „Wysokie Obcasy” der Wochenzeitschrift „Gazeta Wyborcza”, in der Monatszeitschrift „Pani” sowie in vielen Internetportalen. Sie hat Literatursendungen im polnischen Fernsehen mitmoderiert, darunter „Cappuccino z książką” und „Zapomniani – odzyskani” in TVP Kultura sowie „Barłóg literacki”. Ihre Texte wurden in Sammelbänden, in Katalogen zu Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und in Theaterprogrammen (u. a. des Großen Theaters, der Nationaloper, der Galerie Bunkier Sztuki und des Nobelmuseums in Stockholm) veröffentlicht. Sie ist Gastpublizistin in der polnischen und ausländischen Presse. Ihre wissenschaftlichen Aufsätze wurden in über 20 Studien und Sammelbänden veröffentlicht. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, unter anderem von Homines Urbani im Jahr 2008, vom Institut Books from Lithuania im Jahr 2009, vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe im Jahr 2010, von der Hauptstadt Warschau im Jahr 2010 und vom Goethe-Institut im Jahr 2010. Sie ist Preisträgerin literarischer und sozialer Auszeichnungen. Sie ist unter anderem Mitglied der Jury des Olga-Rok-Preises, der Jury der Bürgerlichen Wissenschaftspreise der Wochenzeitschrift „Polityka” und des Rates des Feministischen Fonds. Außerdem ist sie Sängerin der Punkband „Zimny Maj” und moderiert die Podcasts „Radio Sylwia” und „Elgiebete TV”. Anlässlich des Elfriede Jelinek Jahrs leitet Sylwia Chutnik 2026 eine Reihe der Workshops im Kreativen Schreiben am Österreichischen Kulturforum Warschau anhand der Romane und Essays der Nobelpreisträgerin.
Agnieszka Jezierska-Wiśniewska, Dr., Studium der Germanistik und Polonistik in Warschau, wissenschaftliche Assistentin am Institut für Germanistik der Universität Warschau. Forschungsschwerpunkte: deutsch-polnischer Literaturtransfer, Elfriede Jelineks Prosa und Drama, böse Mütterlichkeit in der deutschen und polnischen Literatur, neuere polnische Literatur, Dystopien in der Literatur, Klimawandelliteratur, Post- und Transhumanismus. Mitherausgeberin von u. a. (mit Monika Szczepaniak) Elfriede Jelinek: Moja sztuka protestu. Eseje i przemówienia (Warszawa 2012) und (mit Monika Szczepaniak und Pia Janke) Jelineks Räume (Wien 2017). Zur Zeit arbeitet sie an einem Projekt mit dem Schwerpunkt: Literatur und Klimaaktivismus.
Die Veranstaltung wird per Livestream übertragen. Link zum Livestream:
https://univienna.zoom.us/j/67141467695?pwd=YfJuM4OPjzqRWRveBF0r8dLLVnhbIV.1
Kenncode: jelinek
19.06.2026 (Fr.), 9:30 – 20:00 Uhr
Österreichisches Kulturforum Warschau
Ul. Próżna 7/9, Warszawa
Eintritt frei
Auf Deutsch und ab 18:00 Uhr auf Deutsch und Polnisch 