Veranstaltung zur Kampagne
Orange the World 2026
Anlässlich der diesjährigen Kampagne „Orange the World” laden wir zu einer Diskussion polnischer und österreichischer Aktivistinnen gegen Gewalt an Frauen ein. Wir sprechen über Erfahrungen, eingesetzte Instrumente und die Situation von Frauen in beiden Ländern, in Europa und weltweit.
An der Diskussion nehmen teil:
Rosa Logar – österreichische Aktivistin und Expertin im Bereich der Bekämpfung von Gewalt an Frauen. Seit den 1970er-Jahren in der Frauenbewegung aktiv: Sie war Mitbegründerin des ersten Wiener Frauenhauses und der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie sowie des europäischen Netzwerks WAVE. Sie hat das österreichische System zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt mitgestaltet und berät internationale Institutionen.
Alicja Serafin – Juristin, Kriminologin, Iberistin und Forscherin zum Phänomen geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen mit tödlichem Ausgang (Femizide). Sie ist Autorin des Forschungsprojekts Femicide in Poland (www.femicideinpoland.pl), des ersten Berichts zu Femiziden in Polen („Kobietobójstwo w Polsce. Raport za lata 2017–2023“) sowie der Dissertation „Femizid – strafrechtliche und kriminologische Aspekte der Gewalt an Frauen in Polen und Spanien“, die sie an der Juristischen Fakultät der Universität Warschau verteidigt hat (Beschluss des Universitätsrats über die Verleihung des Doktortitels am 18.11.). Sie war Stipendiatin der Universität Sevilla (2018) und hat wissenschaftliche Artikel zur Gewalt an Frauen auf Polnisch, Englisch und Spanisch sowie Expertenpublikationen für die Niebieska Linia IPZ, die Stiftung Czas Kobiet und Feminoteka verfasst.
Aleksandra Świderska – Assistenzprofessorin an der Fakultät für Psychologie der Universität Warschau und Leiterin des Lehrstuhls für Psychologie des Ortes und des sozialen Wandels. Sie forscht zu sozialer Kognition, sozialen und intergruppalen Beziehungen, Emotionspsychologie und Psychophysiologie. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Gewalt, insbesondere verbaler Gewalt einschließlich Hassrede. Sie ist Mitautorin des Berichts „Ale co takiego się wydarzyło? Raport z badania przemocy wobec kobiet mieszkających na wsi“ („Was ist denn schon passiert? Bericht zur Studie über Gewalt an Frauen auf dem Land“), der 2026 im Auftrag des Feministischen Fonds erstellt wurde.
Die Diskussion moderiert Paulina Januszewska, Journalistin bei GQ.pl. Dort schreibt sie über zwischenmenschliche Beziehungen in der Arbeit und außerhalb davon, über den Einfluss neuer Technologien und der Popkultur auf den Alltag sowie über positive Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder, die einander keineswegs ausschließen oder bekämpfen müssen. Seit zehn Jahren arbeitet sie in den Medien als Journalistin, Redakteurin und Podcasterin, zunächst bei „Newsweek Polska“, später bei „Krytyka Polityczna“, wo sie vor allem über Menschen- und Tierrechte schrieb. Sie ist Autorin des Buches „Gównodziennikarstwo. Dlaczego w polskich mediach pracuje się tak źle?“ („Scheißjournalismus. Warum arbeitet es sich in den polnischen Medien so schlecht?“). Ihre Arbeit wurde unter anderem mit einer Nominierung für den Pióro Nadziei 2024 („Feder der Hoffnung“) von Amnesty International und für den Journalistenpreis „Człowiek z pasją“ („Mensch mit Leidenschaft“) im Gedenken an Zygmunt Moszkowicz ausgezeichnet. Sie ist Preisträgerin des Wettbewerbs „Dziennikarze dla Klimatu“ („Journalisten für das Klima“) und Absolventin der Universität Warschau. In ihrer Freizeit tanzt sie Dancehall, stemmt Gewichte und löst leidenschaftlich gern Kreuzworträtsel.
25.11.2026, 18:00 Uhr
Österreichisches Kulturforum Warschau
ul. Próżna 7/9, Warschau
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Live-Dolmetsch ins PJM.
Eintritt frei!
Zur Kampagne Orange the World
Der diesjährige Leitspruch: Gerechtigkeit sichern. Überlebende schützen. Straflosigkeit beenden.
Vom 25. November bis zum 10. Dezember 2026 finden die 16 Tage gegen geschlechtsspezifische Gewalt statt, diesmal unter dem Motto: „UNiTE – Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Mädchen: Gerechtigkeit schaffen, Überlebende schützen, Straflosigkeit beenden.”
Gewalt gegen Frauen und Mädchen betrifft jede dritte Frau. Sie ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen, und dennoch bleibt für viele Überlebende Gerechtigkeit unerreichbar.
Gleichzeitig schränken Kürzungen bei der Finanzierung den Zugang zu wichtigen Angeboten ein und schwächen die Frauenrechtsorganisationen, die Überlebende dabei unterstützen, sich im Justizsystem zurechtzufinden, rechtlichen Beistand zu erhalten und ihr Leben wieder aufzubauen. Für Frauen in ländlichen und abgelegenen Gebieten sowie für Frauen und Mädchen, die mehrfacher Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind, ist der Weg zur Gerechtigkeit noch schwieriger.
Starke Gesetze sind wichtig, aber Gesetze allein genügen nicht. Überlebende brauchen sichere Möglichkeiten, Gewalt zu melden, zugängliche und erschwingliche Unterstützung und Dienste sowie ein Justizsystem, das wirksam reagiert. Das bedeutet, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und dafür zu sorgen, dass Institutionen für Versäumnisse einstehen, durch die Gewalt straflos bleibt.
Die Kampagne 2026 fordert eine Justiz, die für alle Frauen und Mädchen funktioniert, ob zu Hause, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Leben oder im digitalen Raum. Aufbauend auf dem Schwerpunkt digitale Gewalt von 2025 erkennt die diesjährige Kampagne an, dass Gewalt online und offline ein Kontinuum bildet, wobei sich beide Formen oft überschneiden und gegenseitig verstärken. Sie erfordern Engagement und Maßnahmen in den Bereichen Prävention, Schutz, Rechenschaftspflicht und Wiedergutmachung.