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Nie jestem botem

Ausstellung:
Golden Rush. Iva Simčić & Anamarija Batista

Gold und Sonne sind durch ihr äußeres Erscheinungsbild des Glanzes miteinander verbunden. Der Glanz kann sowohl eine Anziehungskraft ausstrahlen als auch durch seine ästhetische Wirkung blenden und dadurch gesellschaftliche Verhältnisse verklären. Diese Doppeldeutigkeit zeigt sich im Spannungsverhältnis zwischen den Fragen der Verausgabung und der Akkumulation.

Karl Marx diskutiert die Verbindung zwischen Gold und Geld, indem er nach einem allgemeinen Äquivalent sucht, durch das sich die Werte unterschiedlicher Waren in einem gemeinsamen Maß ausdrücken lassen. Marx thematisiert zudem die historisch konstituierte Blendwirkung des Goldglanzes: Dieser erweckt den Eindruck, als entspringe sein Wert unmittelbar der Materie selbst, obwohl dieser innerhalb historisch gewachsener gesellschaftlicher Verhältnisse entsteht (Marx 1858). Gold wird so zum sichtbaren Zeichen ökonomischer Machtbestrebungen, während die Arbeits-, Produktions- und Austauschverhältnisse, die seinem Wert zugrunde liegen, verborgen bleiben.

Georges Bataille formuliert eine Vorstellung der Sonne als Protagonistin, die sich durch ihre Großzügigkeit charakterisieren lässt. Die Sonne ist eine Quelle unaufhörlichen energetischen Überschusses, die auch ihre Wärme kontinuierlich verschenkt und damit der Logik der Akkumulation entgegenwirkt. Sein Konzept der allgemeinen Ökonomie verweist auf eine Energie, die über die Bedürfnisse von Produktion und Selbsterhaltung hinausgeht – eine Energie, die verausgabt werden muss und sich nicht vollständig in produktive Prozesse lenken lässt. Während das Kapital auf die kontinuierliche Vermehrung von Wert ausgerichtet ist, steht die Sonne in seiner Vorstellung für eine Gabe, die nicht auf eine Gegenleistung wartet und sich damit der Unterordnung unter ökonomische Berechnungen entzieht (Bataille 1988).

Heute nimmt die Sonne jedoch einen widersprüchlichen Platz in unserer kollektiven Vorstellung ein. Sie bleibt ein Symbol für freie Zeit, Wärme und Erneuerung und ist tief in unserer ästhetischen Kultur verankert – von goldenen Reflexionen und Sonnenuntergängen bis hin zum Versprechen unbeschwerter Sommertage. Gleichzeitig verändern die Intensität industrieller Produktion, die Verbrennung fossiler Energieträger und der Klimawandel die Bedingungen, unter denen wir Sonnenenergie erfahren. Die Schädigung der Ozonschicht sowie der Tempraturanstieg haben zudem die Verletzlichkeit des atmosphärischen Schutzes sichtbar gemacht. Die Sonnenwärme, die mit Leben und Großzügigkeit assoziiert wird, wird zum Risiko und verdeutlicht die Verletzlichkeit der Beziehungsgeflechte auf der Erde.

Bataille, Georges. The Accursed Share: An Essay on General Economy. Volume I: Consumption. New York: Zone Books, 1988.
Marx, Karl. „Urtext ‚Zur Kritik‘. II. Kapitel: Das Geld. 3) Das Geld als internationales Zahlungs- und Kaufmittel, als Weltmünze.“ Manuskript 1858, online unter: marxists.org


27.11 - 18.12.2026
Eröffnung und Künstlerinnengespräch: 27.11.2026 (Fr.), 18:00 Uhr
Österreichisches Kulturforum Warschau
Próżna 7/9, Warschau
Die Ausstellung ist Montag bis Freitag von 9:00 bis 17:00 Uhr
sowie während der öffentlichen Veranstaltungen im Forum geöffnet.
Eintritt frei.



27.11 - 18.12.2026 Österreichisches Kulturforum
ul. Próżna 7/9
Warszawa
Eintritt frei